Kanalplanung und -sanierung

Der Göttinger Untergrund

Kanalsanierungskonzept

Die Arbeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Abteilung Kanalplanung und -sanierung war bis zum Beginn der 90-iger Jahre weitestgehend durch den Neubau von Abwasserkanälen in den Baugebieten wie "Weende- Nord" oder "Kiesseekarree" bestimmt. Nach der Fertigstellung der Baugebiete hat man sich intensiver mit der Umsetzung des im Frühjahr 1991 aufgestellten Kanalsanierungskonzeptes beschäftigt. Das Kanalsanierungskonzept, mit einer Laufzeit von 20 Jahren, hatte ursprünglich ein geschätztes Sanierungsvolumen von ca. 20 Mio. DM/a. für den Schmutzwasserbereich.

Mit der Weiterentwicklung des Sanierungskonzeptes beläuft sich das Investitionsvolumen auf derzeit ca. 14 Mio Euro p.a. für die Sanierung der Schmutz- und Regenwasserkanäle im öffentlichen Bereich einschließlich der Grundstücksbearbeitung.

Die ingenieurtechnische Bearbeitung und Bauleitung ist im wesentlichen an Ingenieurbüros vergeben, die Überwachung und Bauoberleitung liegt aber weiterhin bei den Göttinger Entsorgungsbetrieben. Derzeit arbeiten 8 Ingenieure bei den Göttinger Entsorgungsbetrieben und 24 Mitarbeiter in 5 Ingenieurbüros an der Umsetzung des Kanalsanierungskonzeptes im öffentlichen Bereich.



TV-Inspektion

Mit dem Aufkommen der Kanalkameratechnik wurde mit Sanierungsmaßnahmen basierend auf diesen Untersuchungsergebnissen begonnen. Dabei zeigten sich teilweise erschreckende Schadensbilder wie Rohreinbrüche, Scherbenbildungen, eindringendes Grundwasser oder Wurzeleinwüchse.

Seit mittlerweile 10 Jahren ermöglicht die Satellitenkameratechnik auch die Untersuchung der Hausanschlusskanäle. Seit 2002 ermöglicht die neueste Kameratechnik die Untersuchung von privaten Grundleitungen bis zu den aufgehenden Fallleitungen mit dem Göttinger ZK-Kanalwurm einschließlich einer abschnittsweißen Dichtheitsprüfung.

Die Göttinger Entsorgungsbetriebe waren wesentlich an der Entwicklung beteiligt und gibt immer wichtige Impulse an den Markt für Weiterentwicklungen. Damit eine sinnvolle Auswertung der Untersuchungen möglich ist, haben die Göttinger Entsorgungsbetriebe sehr hohe Ansprüche an die Qualität der TV-Untersuchung und Dokumentation (Fotos, DVD, Untersuchungsprotokoll). Die Untersuchung der privaten Grundleitungen durch von den Göttinger Entsorgungsbetrieben beauftragten Ingenieurbüros ist für den Bürger mit keinen direkten Kosten verbunden, da die Aufwendungen bereits über die Abwassergebühren abgedeckt sind.


Der dichte Kanal

Der dichte Kanal ist das wichtigste Grundprinzip bei der Umsetzung des Kanalsanierungskonzeptes. Wurden in der Vergangenheit die durch Kamerauntersuchungen festgestellten Undichtigkeiten häufig mit Hilfe der Robotertechnik saniert, so wird heute die gesamte Haltung auf Dichtheit und die damit verbundene Infiltration von Grundwasser und Exfiltration von Schmutzwasser untersucht. An Spitzenregentagen kann bis zur Vierfachen der eigentlich anfallenden Wassermenge der Abwassereinigungsanlage zufließen. Dies führt zu großen Problemen bei der Abwasserbehandlung, die sich auch auf die Gebühren auswirken können. Grundwasser, das durch schadhafte und undichte Schmutzwasserkanäle eindringt, ist neben Fehlanschlüssen eine der wesentlichen Ursachen für Fremdwasser. Durch die schadhaften und undichten Kanäle wird aber auch das Grundwasser mit Schmutzwasser verunreinigt.

Die Problematik betrifft uns alle, weil das Grundwasser die wichtigste Ressource für unser Trinkwasser ist und die Verunreinigung eines Gewässers nach §324 StGb einen Straftatbestand darstellt. Daher werden bei allen Baumaßnahmen der Göttinger Entsorgungsbetriebe auch alle im betroffenen Bereich liegenden privaten Grundleitungen mit überprüft und bei Bedarf durch die Grundstückseigentümer saniert. Die Umsetzung der Sanierung wird von den Göttinger Entsorgungsbetrieben überwacht.


Geschlossene Sanierung

In Göttingen kommen die verschiedensten modernen Sanierungstechniken zum Einsatz. An vorderster Stelle steht die Linertechnik (Einzug eines neuen Rohres in das beschädigte Rohr). Mit dieser Technik wurden in Göttingen rd. 30 km Kanalnetz saniert. Die Kosten liegen hier bei rd. 1/4 der offenen Bauweise. Der Robotereinsatz ist ebenfalls ein wichtiger Baustein im Sanierungskonzept. Über 1000 Schadstellen wurden mit dieser Technik bereits saniert; hier liegen die Kosten bei rd. 1/5 der offenen Bauweise.

Diese Sanierungsverfahren schonen durch ihren Einsatz die Oberflächen der Straßen, weil sie ohne offene Baugruben auskommen. Auch diese sogenannten geschlossenen Sanierungsverfahren werden ständig auf deren Qualität hin überprüft.


Sanierung in offener Bauweise

Ein Grund für den erheblichen Anstieg der Baumaßnahmen in den letzten Jahren in Göttingen ist, daß dringend notwendige Sanierungen am Kanalnetz vorgenommen werden. Sind die Kanäle allerdings stark beschädigt oder bei notwendigen Kanalvergrößerungen, wird weiterhin die offene Sanierung als Bauverfahren eingesetzt. Seit Mitte der neunziger Jahre werden bei der Göttinger Entsorgungsbetrieben ausschließlich Kunststoffrohre aus PEHD in der haltungsweisen Sanierung eingesetzt. Die Wahl des Werkstoffes war eine logische Konsequenz aus den gewonnen Erkenntnissen der Kamerauntersuchungen und der Forderung nach einem dichten Kanalsystem. PEHD als Rohrwerkstoff wird seit Jahren mit Erfolg von den Stadtwerken im Gas- und Trinkwasserbereich eingesetzt. Folgerichtig haben die Göttinger Entsorgungsbetriebe auch das gleiche Material eingesetzt, um einen dauerhaft dichten Kanal herzustellen.

Damit aber nicht nur unterirdisch, sondern auch oberirdisch die Probleme gelöst werden, arbeiten die Göttinger Entsorgungsbetriebe eng mit allen anderen Leitungsverwaltungen und mit der Straßenverwaltung zusammen, damit nach den umfangreichen Baumaßnahmen auch die Straßenoberflächen in einem einwandfreien Zustand wiederhergestellt werden.

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